melina & Wisam

Über das Salz des Lebens.
Und zwei verbundene Seelen.

Je unterschiedlicher man sich ist, desto eher kommt es zu Missverständnissen, man diskutiert, man streitet – aber desto eher gibt man dem Anderen auch Eintritt in seine Welt, man öffnet sich ein Stück weit, stellt sich seinen Vorurteilen, und verschafft sich ein ganz eigenes Bild. Daran glauben zumindest Wisam (32) und Melina (20). Die große Altersspanne ist nicht das einzige, was die Beiden grundlegend unterscheidet und doch haben sie bei Über den Tellerrand in Bonn zueinander gefunden.

Melina und Wisam streiten sich ständig, sind anderer Meinung, widersprechen sich in einer Tour. Aber man merkt ganz schnell: Ihre Seelen sind tief verbunden. Und vielleicht auch gerade deshalb lohnt sich jede Auseinandersetzung. Denn wahre Freundschaft übersteht jeden Streit. Ein Hoch auf diese Zwei, die sich ihren innerlichen Konflikten stellen, kulturelle Unterschiede ausdiskutieren und so immer stärker zusammenwachsen.

Wie habt Ihr euch kennengelernt?
Melina: Obwohl wir beide schon lange bei Über den Tellerrand sind, haben wir uns erst vor eineinhalb Jahren wirklich kennengelernt. Ich habe vorher immer Storys über seine schönen Haare gehört. Marilyn hat genau solche Haare wie Wisam, alle haben gesagt, Wisam ist der Zwilling von Marilyn. Irgendwann war er dann da. Die Haare waren natürlich das erste Gesprächsthema. (lacht)
Wisam: Aber wir waren dann nicht sofort befreundet. Ich habe irgendwann gemerkt, dass sie sehr erwachsen ist für ihr Alter ist. Sie hat allerdings immer mit anderen gesprochen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass sie mir zuhört. Dann haben wir uns sehr oft und sehr gut unterhalten. Ich hätte mir das nicht vorstellen können, dass ich eine beste Freundin haben kann, die 12 Jahre jünger ist.  
Melina: Was willst Du denn damit sagen?
Wisam: Dass sich Melina sehr gut ärgern lässt. (lacht)

Wie ärgerst Du sie denn?
Melina: Er ärgert mich wirklich mit jedem Scheiß.
Wisam: Melina hat mich zweimal blockiert und einmal meine Nummer gelöscht. (beide lachen)
Melina: Wir haben uns zwar lieb, aber wir kloppen uns auch.

So richtig?
Beide: Nein, das natürlich nicht.
Melina: Naja sagen wir mal so – wir haben uns bisher ja immer wieder vertragen.

Und wer entschuldigt sich als erstes?
Wisam: Ich. Immer.
Melina: (lacht). Also Bitte – Du sagst immer zuerst Entschuldigung? Wofür denn, du siehst es doch nie ein.
Wisam: In unserer Kultur sagen wir, Streit ist das Salz des Lebens. Wenn jemand in einer Beziehung ist, soll er wenigstens einmal streiten, bevor er heiratet. Dass wir streiten, beweist, dass wir eine echte Freundschaft haben!

Worüber streitet ihr?
Wisam: Melina findet immer an Allem und an Jedem etwas auszusetzen. Irgendwann in einem Streit habe ich sie mal gefragt, was sie eigentlich über mich denkt. Dann hat sie gelächelt und gesagt, dass es an mir nichts auszusetzen gibt, dass ich perfekt bin. (lacht) 

Ist das so?
Melina: Ja
Wisam: …und ich genieße das.

Weil man nicht so oft ein Kompliment von Melina bekommt?
Wisam: Ja, das ist wirklich selten.
Melina: Weil er immer meint, ich finde an jedem einen Fehler.

Und was macht Eure Freundschaft besonders?
Wisam: Mit Melina kann ich mich 2,3,4,5 Stunden am Stück unterhalten. Deshalb genieße ich die Zeit mit ihr. Die Zeit fliegt. Wenn ich so ein Gefühl zu Jemandem habe, dann ist er wichtig für mich – wir sind beste Freunde. Wir unternehmen viel zusammen. Wir hängen ab, schauen Serien, kochen, gehen essen oder unterhalten uns über die Seltsamkeiten unserer Kulturen. 

Was schätzt du an Wisam?
Melina: Er kann richtig gut zuhören. Es ist unheimlich schön mit ihm zu reden. Wenn wir reden, habe ich nicht das Gefühl, dass der Altersabstand so groß ist. Wir sind immer auf Augenhöhe. Wir finden dieselben Themen interessant – nicht immer, aber das ist dann noch spannender. (lacht). Außerdem ist Wisam sehr spontan. Ich überhaupt nicht. Ich glaub das ist der größte Unterschied. Er sagt immer: ‚Dein ganzes Leben verläuft alles nach einem Plan‘. Das stimmt nicht so ganz, aber ich bin doch sehr viel vorausschauender. Und durch Wisam lerne ich, dass das Leben eben nicht immer nach dem Plan verläuft.

Und was kann Melina besonders gut?
Wisam: Sie lacht viel, und hat einen guten Humor. Aber das Wichtigste ist – I have to switch to english: She cares about the people in her life, she cares about our friendship and she cares about me. Vielleicht streiten wir uns auch deshalb so viel. Wenn ich etwas falsch mache, dann verletzt sie das. Je wichtiger ihr die Freundschaft ist, desto mehr tut sie auch dafür. Und das mag ich sehr an ihr. Diesen Einsatz für ihre Menschen in ihrem Leben.

Wenn Melina ein Gericht wäre, welches wäre sie?
Wisam: Ich glaube Melina ist kein bestimmtes Gericht. Sie ist das Lieblingsgericht, denn wenn man sich mit ihr unterhält, genießt man diese Zeit. Das bedeutet, wenn ich mein Lieblingsessen esse, dann genieße ich es. Mein Lieblingsgericht ist Molochia…mit viel Salz (lachen)
Melina: Ich würde sagen, Wisam ist wie so ein Kichererbsen Curry. Man sieht erst nicht, was drin ist, aber man bekommt richtig viele verschiedene Zutaten. Ein wahres Überraschungspaket!
Wisam: Ich sage immer: Guck mich nicht so an, als ob du mich auffressen wollen würdest. 

Was wünscht du dir? Folgst Du einem Lebensmotto?
Wisam: In meinem ersten Jahr in Deutschland habe ich mit niemandem Deutsch gesprochen. Danach habe ich angefangen, Vertrauen aufzubauen, vor allem Vertrauen zu mir selbst. Es ist so wichtig, dass man sich selbst vertraut und sich wertschätzt. Ich wünsche mir, dass das so bleibt.
Ich denke das Motto, dem ich folge ist, dass wir für immer Kinder im Inneren bleiben, aber wir werden immer besser darin, es in der Öffentlichkeit zu verstecken!

Und Du Melina?
Melina: Ich glaube, dass man sich seinen Vorurteilen unbedingt stellen sollte. Man kann sich nicht von Vorurteilen frei machen, wenn man nicht mit anderen Kulturen in Kontakt kommt. Sobald man irgendwo hingeht und die Leute kennenlernt, ändert sich von jetzt auf gleich das komplette Bild. Jeder ist ein eigener Mensch mit einer eigenen Geschichte. Es ist total wichtig, dass man in Austausch kommt, merkt, dass es ganz anders ist als man hört. Man muss sich ein eigenes Bild machen. 
Ich wünsche mir, dass das noch mehr Menschen tun. Ich würde sagen, das Motto unserer Freundschaft ist: ‘A great friendship is based on two principles: First, appreciating the similarities, and second, respecting the differences.’

 

 

 

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