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Mayssaa meldete sich für das Programm an, um einen Job als gelernte Buchhalterin zu finden. Peter konnte Mayssaa mit seinen beruflichen Erfahrungen im Finanzsektor stets unterstützen und lernte einen Menschen hinter dem Begriff Flüchtling kennen.

Peter und Mayssaa

Mayssaa (34) erfuhr durch einen Zufall von der Über den Tellerrand Community und ihren Aktivitäten. Als begeisterte Köchin nahm sie an den Treffen der zweiten Programmrunde teil und meldete sich für die dritte Runde an, um einen Job als gelernte Buchhalterin zu finden. Peter ermutigte sie, sich sofort für eine Stelle zu bewerben anstatt, wie empfohlen, eine deutsche Ausbildung zu beginnen. Seit Frühjahr 2017 arbeitet Mayssaa zufrieden in ihrer neuen Festanstellung in einem großen deutschen Unternehmen.

Peter (35) arbeitet in einer großen Bank in Berlin und meldete sich als Mentor für die Programmrunde 3 an. Durch seine beruflichen Erfahrungen im Finanzsektor konnte er Mayssaa stets unterstützen und beraten. Er wiederum lernte einen Menschen hinter dem Begriff „Flüchtling“ persönlich kennen und ist an einer weiteren Teilnahme für kommende Programmrunde interessiert.

 

Peter und Mayssaa, wie lange kennt Ihr Euch jetzt schon?

Peter (P): Na, seit Anfang des Jahres.

Mayssaa (M): Genau, seit Januar [2017].

Wie war der erste Eindruck von dem jeweils anderen im Kick-Off Meeting?

P: Sehr beschäftigt! Mayssaa hat ja bereits im ersten Meeting schon gekocht. Sie ist viel umher gesprungen. Da war eigentlich kaum Zeit, sich richtig kennenzulernen. Und dann später abends, also nach dem Essen, wurden wir erst als Tandem zusammengeführt und da haben wir uns zum ersten Mal richtig unterhalten können. Das war sehr nett.

M: Mein erster Eindruck von Peter? Viel Selbstbewusstsein (lacht). Ich hatte das Gefühl, er weiß ganz genau was er möchte. Das bedeutete für mich auch, er hat viel Erfahrung und wenn er mir einen Rat gibt, weiß er, wovon er spricht.

Wie lief ein typisches Treffen bei Euch als Tandempaar ab?

M: Also, Peter war da sehr flexibel…

P: Es ist ja sehr schwer, Mayssaa in ihrem vollen Terminkalender einmal zu erwischen. Dienstags hat sie ihren Geigenunterricht…

M (lacht): Ja, Donnerstag habe ich den Computerkurs…

P: Ja, immer ist etwas. Aber wir haben uns öfter getroffen. Ein paar Mal kam Mayssaa zu mir auf die Arbeit. Wir sind dann in ein Café gegangen für Kaffee und Kuchen oder wir haben uns bei Vapiano getroffen. Dann haben wir darüber gesprochen, was gerade so ansteht.

Worauf habt Ihr Euch im Verlauf des Programmes fokussiert?

M: Ich habe Peter immer viel gefragt. Zum Beispiel: „Wie schreibe ich einen guten Lebenslauf?“ „Wie kann man sich am besten [im Finanzsektor] bewerben?“ und so weiter.

P: Ich habe stets zuerst gefragt „Wie läuft‘s?“ und dann führte eins zum anderen. Wir haben einfach besprochen, was in dem Moment aktuell in den Bewerbungen los war. Wir haben nach einander alles abgearbeitet was für Mayssaa wichtig und interessant sein könnte.

Mayssaa hat mir erklärt wie gut man Party machen kann… im Libanon. Jetzt möchte ich dort unbedingt hinfahren (lacht). - Peter

Habt Ihr auch außerhalb des Programmes Aktivitäten unternommen?

M: Wir haben in den Meet Ups gemeinsam gekocht oder waren in Restaurants.

P: Unsere Aktivität war das gemeinsame Essen, das zieht sich wie ein roter Faden durch alle unsere Treffen. Es musste immer Kaffee und Kuchen geben oder etwas anderes. Essen hat einfach so etwas Verbindendes – doch das wisst ihr [von Über den Tellerrand] ja selbst (lacht).

Wie ist Euer Eindruck vom jeweils anderen jetzt?

M: Das Selbstbewusstsein (lacht). Und er ist hilfsbereit. Ich weiß, er hat viel zu tun, doch ich kann ihn stets fragen. Wenn ich eine E-Mail sende, dauert es nicht lange und er antwortet.

P: Sie ist sehr zielstrebig, immer vorwärts gerichtet. Sie hat einen Job bei BASF bekommen, das ist eine tolle Leistung! Das war nicht immer einfach. Wir haben gemeinsam mehrere Be-werbungen geschrieben und gefühlt tausend Interviews gehabt. Das kostet Engagement und Nerven, doch es lohnt sich am Ende immer. Das war toll. Natürlich muss man sagen, es gehört immer auch eine Menge Glück dazu. Aber das ist ja kein Geheimnis.

Was war Euer schönstes Erlebnis im Laufe des Programmes?

M: Na der Erfolg! Ich habe eine schöne Arbeit gefunden, zusammen mit Peters Hilfe.

Was habt Ihr von dem jeweils anderen gelernt?

M (lacht): Selbstbewusstsein! Einmal war ich traurig. Ich bekam viele Ablehnungen und ich habe gesagt „Ich probiere es…“. Doch Peter hat gesagt: „Nein, es heißt Du schaffst das! Ich weiß, dass du es schaffen kannst“. Er hat mich immer motiviert.

P: Das ist schön. Klar, ich mache mir nun mehr über Syrien Gedanken, die anhaltenden Konflikte und das Land. Aber ich habe auch gemerkt wie schwer es hier in Deutschland ist. Dessen ist man sich im Vorfeld gar nicht so bewusst. Vieles ist einfach nicht kompatibel. Da stehen langwierige bürokratische Herausforderung schnellen praktikablen Lösungen gegenüber.

 Peter hat immer an mich geglaubt und gesagt: Du schaffst das! - Mayssaa

 Wie hat sich jeweils Euer Blick auf Syrien bzw. Deutschland verändert?

M: Ich habe am Anfang gedacht, ich habe keine Chance, hier eine Arbeit hier zu finden. Viele haben gesagt, ich müsse erst eine Ausbildung machen. Doch Peter und das Programm haben mich immer unterstützt, mir erklärt, wie die Sachen hier funktionieren. Man kann es schaffen!

P: In Dubai hatte ich schon zuvor einige Syrer kennengelernt, da viele dort arbeiten. Von daher kannte ich schon einiges, aber nicht alles. Besonders nicht wie nah vieles [geografisch] beieinander liegt. Und Mayssaa hat mir erklärt wie gut man dort Party machen kann… im Libanon (lacht). Man fährt einfach in das andere Land, ca. 40 km, um feiern zu gehen. Es ist einfach eine andere Kultur. Ich habe das durch Mayssaa erfahren und möchte nun unbedingt einmal dort hin!

 Peter und Mayssaa, vielen Dank für das angenehme Gespräch!