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Benni und Petra

Benni meldete sich über einen Freund für die dritte Runde des Job Buddy Programmes an. Er ist schon lange ein leidenschaftlicher Schwimmer und fand zusammen einen Sommerjob als Bademeister in einem der Kreuzberger Schwimmbäder. Er ist mit der arabischen Kultur vertraut und agiert im Schwimmbad oft als Vermittler. Mit seinen noch sehr jungen Jahren ist er nach der Flucht von Syrien nach Deutschland nun mit deinem Job Buddy auf der Suche nach einem zu ihm passenden Berufsweg.

Petra wohnt in der Nachbarschaft des Vereinssitzes von Über den Tellerrand e.V. Berlin und meldete sich über einen Aufruf für eine Teilnahme an der dritten Programmrunde. Sie absolvierte sowohl ein Studium in Biochemie als auch in Journalismus und arbeitet seitdem erfolgreich freiberuflich im Bereich der Medizin- und Wissenschaftskommunikation. Mit Benni lernte sie eines der Gesichter Syriens persönlich kennen und steht ihm stets unterstützend bei der Berufsfindung zur Seite.

Petra und Benni, wie lange kennt Ihr Euch jetzt schon?

Petra (P): Na, seit Anfang des Jahres [2017].

Benni (B): Genau, seit dem ersten Monat vom Jahr.

Wie war der erste Eindruck von dem jeweils anderen im Kick-Off Meeting?

B: Ich habe gedacht, na mal schauen, mal sehen. Ich hatte vorher noch keinen Tandempartner…

P: Ich glaube im Nachhinein, Benni, wusste nicht ganz genau was ihn hier [im Job Buddy Programm] erwartet und was die Frau ihm gegenüber möchte (lacht).

B: Ja, ich wusste, ich bekomme einen Tandempartner, doch nicht wen. Ob ein Mann, eine Frau oder ein Mädchen. Das war eine Überraschung.

Und dann, wie war der jeweils erste Eindruck?

B: Mein erster Eindruck war, vielleicht ist sie sehr direkt… weil… wir sind nicht im ähnlichen Alter, weißt Du. Doch dann dachte ich, sie ist viel besser als ähnliche Ältere (lacht).

P: Aha, also einfach weil ich älter bin als Du?

B: Genau. Ich dachte erst, es wird kompliziert, weil wir nicht im gleichen Alter sind…. Aber jetzt denke ich natürlich ganz anders darüber.

P: Also der Altersunterschied war klar, doch ich mochte Benni von Anfang an. Ich habe eine Tochter in seinem Alter, von daher war das kein Problem. Klar, unter Gleichaltrigen in diesem Alter ist es anders als unsere Beziehung, aber wir verstehen uns gut.

Wie läuft ein typisches Treffen bei Euch als Tandempaar ab?

P: Also bei uns steht schon die Jobsuche im Vordergrund. Ich kann mir vorstellen bei Tandem-paaren die eher studentisch sind, so Ende 20, das sie auch gemeinsam ins Kino gehen und ähnliches. Doch das machen wir eher nicht. Wir treffen uns, um die Unterlagen für Benni fertig zu machen. Meist bei mir zuhause, man braucht ja auch einen Computer. Besonders am Anfang brauchten wir oft den PC bei unseren Treffen. Später haben wir uns aber auch privat im Café getroffen oder schreiben einfach über WhatsApp oder telefonieren länger, wenn etwas Konkretes ansteht und wenn Benni Fragen hat.

B: Ja, wenn ich eine neue E-Mail bekomme oder eine Antwort oder so, dann telefonieren wir…

P: Genau, Benni leitet mir die E-Mails weiter, dann schaue ich mir das an und anschließend telefonieren wir abends.

B: Bei ganz dringenden Fragen schreibe ich auf WhatsApp, ansonsten eine E-Mail.

P: Wie gesagt, am Anfang haben wir uns viel bei mir getroffen, um den PC zu benutzen, doch jetzt auch öfter einfach so auf einen Kaffee oder ähnliches.

Petra hat auch meinem kleinen Bruder mit den Bewerbungen geholfen, einfach so. Sie ist toll!

 

Wo liegt Euer Fokus für Bennis zukünftigen Berufsweg?

B: Na, am Anfang brauchte ich viel Hilfe mit den Unterlagen. In Deutschland ist alles anders und kompliziert. Da brauchte ich zuerst Hilfe. Wir sind nicht nur ein Tandem, wir gehen auch in ein Café und sprechen über viele Sachen. Petra hat mir viel geholfen, mit allem. Sie hat alles sehr schön sortiert und ausgedruckt. Es war am Ende alles im PDF-Format und sah schöner aus (lacht). Das war sehr wichtig für mich, es zu beobachten und zu lernen. Danach war es viel einfacher für eine Bewerbung alles zu finden und mitzunehmen. Sie hilft mir auch in der Kommunikation mit Leuten die ich noch nicht verstehe. Petra lacht oft, das mag ich. Sie macht alles sehr gerne und hat auch meinem Bruder viel geholfen. Ich habe ihr von ihm erzählt und er durfte dann auch mit zu ihr kommen. Sie hat ihm erklärt, was eine deutsche Ausbildung ist und was er alles machen kann. Nicht über dieses Programm hier, einfach so. Sie ist toll!

P: Ja, einmal ist Bennis Bruder auch allein zu mir gekommen und wir sind seine Unterlagen für eine Bewerbung durchgegangen. Das war für mich selbstverständlich.

B: Meine Mission ist noch nicht geschafft, doch wir arbeiten viel zusammen.

P: Es ist so, die beiden Brüder werden noch über das Jobcenter finanziert. Und die achten jetzt zunehmend darauf, dass schnell ein Nebenjob oder ähnliches gefunden wird. Es entsteht dadurch ein großer Druck schnell irgendetwas zu finden. Die Brüder müssen und wollen vorzeigen, wie sehr sie sich engagieren. Deswegen wollte Benni ja auch am Programm teilnehmen, um schnell etwas zu finden, z.B. einen 450 Euro-Job oder ähnliches. Da war es auch für mich interessant und sehr hilfreich hier [bei Über den Tellerrand] darüber sprechen zu können, um mehr von euren Erfahrungen zu hören. Das hat mir viel gebracht. Danach konnten Benni und ich uns wiederum austauschen, damit er die richtigen Fragen beim Jobcenter stellen kann und sich informiert. Jetzt weiß er, wo er steht und was die nächsten Schritte sind.

B: Petra schickt mir immer viele Informationen, auch für ein Studium, eine Ausbildung oder ähnliches. Wir schauen gerade in verschiedene Richtungen. Petra beantwortet meine Fragen sehr gerne und ich kann jederzeit zu ihr gehen.

Durch Benni bekomme ich mit, wie schlimm es in Syrien im Moment ist. Sein anderer Bruder und seine Mutter leben noch dort und es ist schwer für sie, dort legal rauszukommen, über die Botschaften etc. Das bewegt mich sehr.

Habt Ihr auch außerhalb des Programmes weitere Aktivitäten unternommen?

P: Wie schon gesagt, unser Fokus liegt mehr auf Bennis beruflicher Zukunft. Außerdem hatte ich den Eindruck, Benni ist sehr gut vernetzt. Er kennt schon viele Leute hier. Ich hatte nicht den Eindruck, er sitzt allein zuhause und weint, sonst hätte ich natürlich etwas vorgeschlagen, einen Kinobesuch oder ähnliches (lacht).

B (lacht): Ja, ich kenne schon ein paar Leute und mein einer Bruder ist auch hier…. Aber ich denke, es liegt auch an dem komischen deutschen Wetter…

P: Das ist nur im Moment so schlecht, im Sommer wird es besser (lacht).

B: Wir wollen auch mal in ein arabisches Restaurant schön Essen gehen oder so.

P: Genau, wenn alle Sachen geklärt sind machen wir das und gehen feiern!

Wie ist Euer Eindruck vom jeweils anderen jetzt? Was hat sich verändert.

B: Der Ausdruck hat sich 180° geändert….

P: …“Der Eindruck“…

B: Ja, der Eindruck hat sich um 180° geändert. Erst war ich schüchtern und hatte Angst, doch jetzt ist alles anders und es macht Spaß.

P: Wir waren beide erst einmal zurückhaltend. Danach lief alles super.

Was war Euer schönstes Erlebnis im Laufe des Programmes?

B: Der Erfolg… Eigentlich alles.

P: Wir haben natürlich ein paar Bewerbungen abgesendet, an Stellenbeschreibungen, die wir über die [im Meet Up vorgeschlagene] Plattform „Workeer“ gefunden haben. Gar nicht so viele, 5-6 vielleicht. Benni hat dann innerhalb von einer Woche schon zwei Rückmeldungen bekom-men. Dann hatte er zwei Vorstellungsgespräche… B (ergänzt): Zwei Probearbeiten….

P: Genau er durfte zweimal zur Probe arbeiten und hat nun gute Chancen, dort anzufangen. Das finde ich schon toll. Innerhalb von so kurzer Zeit schon ein Erfolgserlebnis! Da habe ich mich sehr gefreut. Es sind erst einmal nur kleinere Jobs, doch immerhin!

B: Ich habe nun gute Chancen, beide Verträge zu bekommen und es mir auszusuchen. Und es gibt sogar noch einen dritten möglichen Job für den Sommer. Doch ich möchte weiter machen, nicht nur kleine Jobs finden, sondern etwas für das ganze Jahr.

Was habt Ihr von dem jeweils anderen gelernt?

B: Ich habe einfach eine deutsche Frau, Petra, kennen gelernt. Erst habe ich nur einen Job gesucht, doch nun habe ich doppelt Glück und auch Petra kennen lernen können.

P: Ich habe durch Benni auch sehr viel gelernt. Über das System Hartz 4, vieles was Studien-bedingungen angeht, die Ausbildungsmöglichkeiten und einen neuen tollen Menschen.

B: Ja, die Informationen [der Meet Ups] waren sehr wichtig. Hier ist alles anders, nicht so wie in unserem Heimatland. Vorher habe ich auf meine Bewerbungen keine Antwort bekommen.

P: Im Jobcenter haben sie ihn einfach nur vor den Rechner gesetzt, damit er sich online bewerben kann – unmöglich! Er weiß doch dann gar nicht, was er da machen soll. Und dann muss man sich auch nicht wundern, wenn sie kein Feedback oder Antworten bekommen.

Wie hat sich jeweils Euer Blick auf Syrien bzw. Deutschland verändert?

B: Die Deutschen sind sehr nett, sehr freundlich… bis jetzt (lacht). Dann natürlich das pünktliche System, man muss immer alle Unterlagen haben, alles muss korrekt sein. Ich mache das jetzt auch. Meine arabischen Freunde nennen mich manchmal „den Deutschen“. In Syrien war ich Schwimmer, doch hier habe ich noch viele neue Schwimmregeln gelernt.

P: Ich kannte schon Syrer, doch noch nicht so nah. Der Blick hat sich schon verändert. Ich frage mich, wie man dort noch leben kann! Und ich sehe durch Bennis [zweiten] Bruder und seine Mutter, wie schwierig es ist, da legal raus zukommen. Ich bekomme alles hautnah mit und es bewegt mich.