Wir glauben ans Kennenlernen

Über den Tellerrand entstand aus einer einfachen, aber kraftvollen Idee: Menschen miteinander in Kontakt zu bringen über etwas, das wir alle teilen. Essen.
Der Anfang liegt im Jahr 2013 in Berlin-Kreuzberg, am Oranienplatz. Dort protestierten geflüchtete Menschen in einem Camp gegen Asylbestimmungen, Abschiebungen sowie gegen ihre Wohn- und Lebensbedingungen. Vier Studierende fragten sich damals, wie sie den Menschen vor Ort nicht nur solidarisch, sondern auch persönlich begegnen könnten. Ihre Überlegung war ebenso schlicht wie wirkungsvoll: Was verbindet uns alle? Die Antwort war klar: Essen.

Mit Campingkochern und Zutaten gingen sie ins Protestcamp und begannen, gemeinsam mit den Campierenden zu kochen und zu essen. Aus diesen ersten Begegnungen entstanden Gespräche, Vertrauen und gegenseitiges Kennenlernen. Es ging nicht um Helfen von oben herab, sondern um Austausch auf Augenhöhe. Bald wurde deutlich: Gemeinsames Kochen schafft Räume, in denen Menschen sich öffnen, Geschichten teilen und Vorurteile abbauen können.

Aus dieser Erfahrung wuchs die Kernidee von Über den Tellerrand: Durch gemeinsames Kochen und Essen Begegnungen auf Augenhöhe zu ermöglichen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, mit verschiedenen Lebensrealitäten und Erfahrungen. Die ersten gemeinsamen Rezepte und Lebensgeschichten wurden im ersten Kochbuch festgehalten, das schnell viel Aufmerksamkeit bekam. Doch noch wichtiger als das Buch war das, was daraus entstand: eine Bewegung.
In Berlin entwickelte sich rasch eine engagierte Community. Neben regelmäßigen Kochtreffen entstanden neue Begegnungsformate. Menschen tanzten, spielten, musizierten, gärtnerten oder trafen sich in festen Gruppen, um sich intensiver kennenzulernen und auszutauschen. Über den Tellerrand wuchs, nicht geplant, sondern getragen von Begeisterung und Engagement. 2014 wurde in Berlin der Verein Über den Tellerrand e.V. offiziell gegründet. Im selben Jahr erschien das zweite Kochbuch „Rezepte für ein besseres Wir“.

Schon kurz darauf entstanden die ersten lokalen Gruppen, die sogenannten Satelliten. Die Idee verbreitete sich schnell. Menschen in anderen Städten griffen sie auf und passten sie an ihre lokalen Gegebenheiten an. Ab 2015 gründeten sich weitere Vereine, darunter die Vereine Über den Tellerrand Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Freiburg und Wiesbaden sowie Über den Tellerrand München kochen e. V.
Im selben Jahr kamen Ehrenamtliche aus ganz Deutschland zum ersten bundesweiten Kongress zusammen. Das war ein wichtiger Moment für das wachsende Netzwerk.
In den folgenden Jahren entwickelte sich Über den Tellerrand stetig weiter. 2016 erschien das dritte Kochbuch „Eine Prise Heimat“. Mit der Kitchen on the Run Europatour reiste eine mobile Küche durch verschiedene Länder und schuf Begegnungsorte an immer neuen Plätzen. 
Gleichzeitig starteten Mentoringprojekte wie Building Bridges und Job Buddy, die geflüchtete Menschen beim Einstieg in Ausbildung und Beruf unterstützen. Auch neue Orte entstanden. 2018 eröffnete Über den Tellerrand München ein eigenes Café als festen Begegnungsraum. Andere Gruppen veröffentlichten eigene Kochbücher, entwickelten lokale Projekte oder experimentierten mit neuen Formaten.
Heute ist das Über den Tellerrand-Netzwerk mit über 40 Standorten in Deutschland und darüber hinaus, unter anderem in Österreich, Tschechien und Kolumbien.
Alle Gruppen verbindet dieselbe Vision: Wir glauben ans Kennenlernen. Daran, dass echte Begegnung Vorurteile abbaut, Gemeinschaft stärkt und unsere Gesellschaft offener und menschlicher macht – oft ganz einfach bei einem gemeinsamen Essen.













